Richtig Fokussieren lernen


Fokussieren – Fotos „scharf stellen“

Damit ein Objekt, beispielsweise eine Person, auf dem Foto scharf abgebildet wird, müsst ihr darauf fokussieren. Das ist notwendig, weil (meistens) nicht alles auf dem Foto scharf ist, sondern nur Dinge in einer bestimmten Entfernung zur Kamera. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten – und das erkläre ich euch jetzt.

 
Kurzzusammenfassung / Inhalt

Fokussieren bestimmt die Entfernung der Schärfeebene

Mithilfe des Fokussierens stellt ihr ein, welche Entfernung das zu fotografierende Objekt zur Kamera hat. Ist das Objekt fokussiert, also scharf gestellt, sagt man, dass es „im Fokus liegt“. Die Fokussierung geschieht durch Verschiebung von Linsen im Objektiv, welche meist von der Kamera selbst vorgenommen wird.

Doch nicht nur das einzelne Objekt wird scharf.
Stellt euch eine Ebene vor, die parallel zur Kamera vor euch ist. Die Ebene geht durch das fokussierte Objekt. Alles auf dieser so genannten Schärfeebene wird scharf abgebildet.

Grafik zur Erklärung der Schärfeebene

Die Schärfeebene läuft parallel zum Kamera-Sensor. Je weiter Objekte von der Schärfeebene entfernt sind, um so unschärfer werden sie.

Beispielfoto zur Schärfeebene

Auf den orangenen Stecknadelkopf wurde fokussiert. Nadelköpfe in der gleichen Schärfeebene sind scharf – alle dahinter und davor werden unscharf.


Nicht immer wird so viel unscharf
Teilweise werden auch Objekte vor und hinter der Schärfeebene scharf, obwohl sie nicht direkt im Fokus liegen – das hängt von eurer Aufnahmesituation und den Kamera-Einstellungen ab.

 

Manuell Fokussieren

Euer Objektiv hat normalerweise einen Schalter, mit dem ihr zwischen Autofokus (AF) und Manuellem Fokus (MF) wechseln könnt. Stellt den Schalter einmal auf den Manuellen Fokus.

Autofokus Schalter

Schalter zum Wechsel zwischen Autofokus und Manuellem Fokus

Außerdem hat das Objektiv meistens einen großen verstellbaren Ring zum zoomen und einen schmaleren Ring zum Einstellen des Fokus.

Fokusring

Mithilfe dieses Fokus-Rings könnt ihr manuell fokussieren.

Schaut durch den Sucher und dreht am Fokus-Ring. Ihr werdet sehen, wie sich die Schärfeebene durch den Raum bewegt.
Je nachdem wie ihr den Ring gedreht habt, liegt die Schärfe entweder weiter weg von euch, oder näher dran.

Diese Art des Fokussierens nennt man manuelles Fokussieren. Ihr sagt der Kamera selbst, wo die Schärfe-Ebene liegen soll. Meistens werdet ihr so aber nicht scharf stellen.

Achtung!
Manche Objektive mögen es nicht, wenn ihr am Fokus-Ring dreht, während der Schalter auf AF steht. Achtet auf die richtige Einstellung, damit ihr das Objektiv nicht kaputt macht.

Dioptrien-Einstellung am Sucher
Passt auf, dass die Dioptrien-Einstellung des Suchers richtig eingestellt ist. Diese dient zum Ausgleich von Sehschwächen. Manchmal verdreht man das Rädchen ausversehen und wundert sich dann, warum alles im Sucher unscharf aussieht.

Dioptrien Einstellung am Kamera-Sucher

Die Dioptrien-Einstellung am Sucher – wenn ihr eine Brille braucht, sie aber nicht auf habt ;)


Autofokus

Meistens werdet ihr den Autofokus verwenden. Die Kamera dreht hierbei selbst am Fokus-Ring.
Das geschieht, indem ihr den Auslöser der Kamera halb herunter drückt, bis ihr einen ersten Widerstand spürt. Nun wird das Objektiv ein kurzes Geräusch machen, während es fokussiert. Je nach Objektiv und Kamera geht das extrem schnell.

Drückt ihr den Auslöse-Knopf nun noch über den letzten Widerstand hinaus nach unten, wird das Bild gemacht.

Um den Autofokus zu nutzen müsst ihr das Objektiv natürlich auch auf AF stehen haben.

 
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Fokuspunkte – dahin wird fokussiert

Die Kamera besitzt mehrere Fokus-Punkte. Diese sind über einen großen Teil des Bildfeldes verteilt. Wenn ihr durch den Sucher schaut, könnt ihr sie erkennen. Bei Systemkameras sind sie auch auf dem Display sichtbar – ungefähr so:

Fokuspunkte auf Kamera-Display

Die verfügbaren Fokus-Punkte auf dem Display der Olympus OM-D E-M10 MK II

Ihr könnt der Kamera sagen, ob sie alle Fokus-Punkte verwenden soll, oder nur einen einzelnen. Wie genau das bei eurer Kamera geht, steht im Handbuch.

Habt ihr alle Punkte aktiviert, entscheidet die Kamera selbst welchen sie verwendet. Meistens stellt sie so auf das Objekt scharf, welches euch am nähesten ist.
Oft will man das auch, manchmal aber auch nicht. Wenn ihr durch eine Scheibe im Zoo den Tiger fotografiert, möchtet ihr den Tiger fokussieren und nicht den Dreck auf der Scheibe.

Gesichtserkennung hilft bei Portraits
Bei vielen Kameras könnt ihr zusätzlich eine Gesichtserkennung aktivieren. So wählt die Kamera automatisch das Fokusfeld, welches das Gesicht im Bild scharf stellt.

 

Wählt euren Fokuspunkt selbst!

Ihr könnt auch ganz bewusst ein einzelnes Fokus-Feld aktivieren. So bestimmt ihr selbst, wohin die Kamera scharf stellen soll.

Diese Methode verwende ich selbst, denn ich möchte es nicht der Kamera überlassen, was sie scharf stellt.

Gute und schlechte Fokusfelder
Meistens funktionieren nicht alle Autofokus-Sensoren gleich gut- das mittlere AF-Feld ist normalerweise das beste.

Nicht alle Motive lassen sich gleich gut fokussieren. Am besten funktioniert der Autofokus bei deutlichen Motiv-Kontrasten.

Ein weißes Blatt mit schwarzem Text lässt sich beispielsweise super fokussieren. Habt ihr allerdings nur eine weiße Wand als Motiv, weiß die Kamera nicht, wann diese scharf ist. Hier versagt der Fokus komplett.

 

Fokussieren von bewegten oder stillen Objekten

Besonders schwer wird das Fokussieren, wenn ihr bewegte Dinge fotografiert, z.B. einen Hund der auf euch zu rennt. Dafür könnt ihr den Autofokus-Modus ändern.

Einzel-Autofokus für unbewegte Objekte

Standardmäßig funktioniert der Autofokus wie folgt: Ihr drückt den Auslöser halb durch. Die Kamera fokussiert.
Die Enfernungs-Einstellung für den Fokus bleibt so lange gleich, bis ihr den Finger wieder vom Auslöser nehmt.

Bei Canon nennt sich dieser Modus „One Shot“, bei Olympus „S-AF“ (Single Autofocus).

Wenn der Hund in der Zeit zwischen Fokussieren und Auslösen aber schon weiter auf euch zu gerannt ist, wird er unscharf.

Fehlfokus durch Single-AF

Da war der Hund zu schnell für den Einzel-Autofokus. Als fokussiert wurde war er noch auf dem Stück Wiese, welches scharf im Bild ist. Beim Auslösen – den Bruchteil einer Sekunde später – war er jedoch schon weiter vorn. Deshalb ist er unscharf.

Kontinuierlicher Autofokus für bewegte Objekte

Deshalb gibt es den Kontinuierlichen Autofokus.
Dabei fokussiert die Kamera die ganze Zeit über, während ihr den Auslöser halb gedrückt haltet. Ändert der Hund also den Abstand zu euch, wird auch neu fokussiert.

Bei Canon heißt dieser Modus „AI Servo“, bei Olympus „C-AF“ (Continuous Autofocus).

Wie ihr zwischen den Fokus-Modi wechseln könnt, steht im Kamera-Handbuch.

Manche Kameras können das Objekt auch bei seitlichen Bewegungen verfolgen, mithilfe des so genannten AF-Tracking. Wenn das Objekt sich zu einem neuen Fokusfeld bewegt, wird dieses automatisch aktivert. Wie zuverlässig das funktioniert weiß ich nicht – habe die Funktion noch nie verwendet.

Schwacher Autofokus im Dunkeln
In hellen Umgebungen funktioniert der Autofokus besser als im Dunkeln. Manche Kameras senden deshalb ein Fokus-Hilfslicht aus um besser scharf stellen zu können.

 

Die Schärfentiefe – erklär ich euch später

Wie ihr bestimmt schon bemerkt habt, ist manchmal nur relativ wenig außerhalb der Schärfeebene scharf. Manchmal ist aber auch ganz viel scharf.
Die Ausdehnung der Schärfe vor und hinter der Schärfe-Ebene nennt sich Schärfentiefe (manchmal auch Tiefenschärfe).
Diese hängt von der Blende, dem Aufnahmeabstand und der Brennweite ab. Darauf werde ich aber in anderen Artikeln genauer eingehen.

 

Wie ich selbst fokussiere – Focus then Recompose

Ich persönlich stelle immer selbst ein, welches Fokus-Feld die Kamera verwenden soll. Meistens wähle ich den mittleren Fokuspunkt, da dieser am zuverlässigsten funktioniert.

Oft ist das Foto aber schöner, wenn das Hauptmotiv nicht in der Mitte ist. Dann verwende ich die Methode „Focus then Recompose“.
Dazu fokussiere ich das Motiv zuerst mit dem mittleren Fokus-Punkt. Ich löse dann allerdings noch nicht gleich aus, sondern drücke den Auslöser auch weiterhin noch halb durch.
Während ich den Auslöse-Knopf also noch in dieser Mittelstellung halte, verschwenke ich die Kamera, bis das Motiv an der gewünschten Stelle sitzt. Dann erst drücke ich den Auslöser komplett durch, so dass das Foto gemacht wird.

Ihr müsst hierfür natürlich den Single-Autofocus / S-AF / One-Shot aktivieren, damit die Kamera nach dem schwenken nicht neu fokussiert.

Die Methode hat auch den Vorteil, dass sie sehr schnell ist – schneller als den passenden Fokuspunkt an der Kamera auszuwählen.

Ihr müsst hierfür natürlich nicht unbedingt das mittlere Fokusfeld nutzen. Wenn ihr wisst, dass das Hauptobjekt demnächst immer irgendwo im oberen Bildbereich liegen wird, könnt ihr einen oberen Fokus-Punkt auswählen und müsst dadurch weniger verschwenken.

 

Nachteile von Focus then Recompose

Focus then Recompose hat allerdings nicht nur Vorteile. Wenn die Objekte schnell die Entfernung zu euch ändern, kommen sie während des Schwenkens aus der Schärfe-Ebene heraus.
Außerdem gerät das Motiv durch das Kamera-Schwenken immer ein kleines Stückchen aus der Schärfe-Ebene. Die folgende Grafik verdeutlich das:

Grafik zur Verdeutlichung der Distanz-Abweichung bei Focus then Recompose

Blau ist beim Fokussieren – Grau nach dem Verschwenken.
Das Objekt liegt nicht mehr exakt in der Schärfe-Ebene

Seid ihr relativ weit vom Objekt entfernt, ist diese Differenz nicht so groß. Seid ihr jedoch sehr nah dran, kann euer Foto dadurch unscharf werden.
Deshalb solltet ihr im Nahbereich lieber den exakten Fokuspunkt an der Kamera auswählen.

 

Fokussieren Quick & Dirty

Wenn es ganz schnell gehen muss, wähle ich den mittleren Fokuspunkt und löse auch gleich aus.
Dabei nehme ich aber bewusst mehr von der Umgebung mit auf, als nötig wäre. Im Nachhinein kann ich dann am PC noch etwas vom Bildrand abschneiden, so dass das Hauptmotiv nicht in der Mitte ist.
Dadurch hat das Foto letztendlich zwar nicht mehr so viele Pixel, aber für die Situation immer noch genügend.
Um viele Bilder zurecht zu schneiden nutze ich normalerweise Lightroom.

 

Übung zum Fokussieren

Schaltet die Kamera in den Modus Programmautomatik. Bei den meisten Kameras, beispielsweise bei allen Canons, dreht ihr dafür das Rädchen auf „P“. Wenn das bei eurer Kamera anders geht, schaut am besten ins Handbuch. Jetzt macht die Kamera erst einmal alles automatisch – nur den Fokus bestimmt ihr selbst.

Fokus-Übung für unbewegte Objekte

  1. Sucht euch nun ein einzelnes, unbewegtes, Motiv zum Fotografieren. Das kann ein Gegenstand sein, oder eine Blume, oder ein Mensch – was ihr möchtet. Achtet nur darauf, dass es wirklich ein einzelnes Objekt ist und nicht so etwas wie eine komplette Landschaft.
  2. Stellt die Kamera so ein, dass sie aus allen Fokus-Feldern automatisch wählt (Handbuch). Als Fokus-Methode wählt ihr Single-Autofocus / S-AF / One-Shot.
  3. Fotografiert nun das Motiv. Achtet darauf, dass es nicht ganz mittig im Bild ist. Hat die Kamera erkannt, dass ihr das Objekt fokussieren wolltet? Dann blinkt normalerweise beim Fokussieren das entsprechende Fokusfeld im Sucher auf.
  4. Schaut euch danach das Foto auch auf dem Display an, ob es wirklich scharf geworden ist.

  1. Im nächsten Schritt wählt ihr selbst ein einzelnes Fokus-Feld aus, welches die Kamera zum scharf stellen verwenden soll – aber nicht das mittige.
  2. Macht das gleiche Foto noch einmal, indem ihr mit diesem Fokuspunkt das Objekt scharf stellt.

  1. Als letztes verwendet ihr für das Foto die Focus then Recompose Methode. Wählt den mittleren Fokuspunkt, fokussiert das Objekt und verschwenkt die Kamera bevor ihr auslöst.
  2. Wenn ihr möchtet, könnt ihr an diesem Motiv auch noch den Manuellen Fokus ausprobieren, indem ihr das Objektiv auf MF stellt und am Fokus-Ring dreht.

 
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Fokus-Übung für bewegte Objekte

Das hat alles gut geklappt? Dann probiert noch das Fokussieren von bewegten Objekten. Dafür bieten sich vor allem Autos an, die auf der Straße auf euch zu fahren.
Ihr solltet natürlich auf dem Fußweg stehen und nicht auf der Straße ;)
Nutzt dafür den kontinuierlichen Autofokus / C-AF / AI Servo.
Wenn eure Kamera das kann, könnt ihr hier auch das Fokus Tracking testen.

Achtet darauf, dass es draußen nicht zu dunkel ist, sonst werden die Fotos evtl. durch die Bewegung der Autos unscharf.

Wenn ihr die Aufgaben problemlos meistern konntet, seid ihr schon einen großen Schritt weiter.
Ärgert euch nicht, wenn ein paar Fotos unscharf geworden sind – das passiert auch Profis. Der Trick ist, einfach ein paar mehr Fotos von jedem Motiv zu machen.
 

Fragen zum Fokussieren?

Ihr habt noch Fragen zu dem Thema?
Irgendwas klappt beim Fokussieren nicht richtig?
Dann könnt ihr mir gern einen Kommentar hinterlassen :)

Liebe Grüße
Stefan

Nächster Einsteiger-Artikel: 2. Brennweite von Objektiven


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