Blende zur Steuerung der Tiefenschärfe


Blende und Tiefenschärfe / Schärfentiefe

Die Blende dient nicht nur zur Steuerung der Belichtung.
Mit ihr könnt ihr auch die Ausdehnung der Schärfentiefe beeinflussen.

Wie das funktioniert, lernt ihr nun – Viel Spaß :)

 

Kurzzusammenfassung / Inhalt

 

Was ist die Tiefenschärfe?

Wie schon im Artikel zum Fokussieren erwähnt, werden nicht nur die Objekte in der Schärfeebene scharf abgebildet. Die so genannte Schärfentiefe (oder alternativ Tiefenschärfe) breitet sich auch vor und hinter der Schärfeebene weiter aus, so dass nicht nur die fokussierten Objekte scharf sind.

Die Schärfentiefe ist ein Gestaltungsmittel, welches ihr beherrschen solltet.
Wie groß die Ausdehnung der Schärfentiefe ist, hängt von der eingestellten Blende und der verwendeten Brennweite ab. Außderdem spielt dabei der Aufnahmeabstand, also die Entfernung zwischen Kamera und fokussiertem Objekt, eine Rolle.

 

Hohe und geringe Schärfentiefe

Je weiter ihr die Blende öffnet, desto kleiner wird die Schärfentiefe.

Es gibt Anwendungsfälle in denen ihr eine hohe Schärfentiefe benötigt, beispielsweise in der Architekturfotografie. Ihr wollt, dass das ganze Gebäude scharf wird. Oder bei großen Gruppenfotos – hier sollen nicht nur die Personen in der vorderen Reihe scharf werden, sondern auch die Leute ganz hinten.

In solchen Fällen wählt ihr also eine relativ weit geschlossene Blende.
Ich nutze dann meist Blende 11.

Architekturfoto mit hoher Tiefenschärfe

Eine relativ weit geschlossene Blende lässt das komplette Gebäude scharf werden. Das Foto habe ich mit Blende 9 aufgenommen.


 
Bei Portraits hingegen sieht es meistens sehr gut aus, wenn der Hintergrund unscharf wird. Man nennt das auch „freistellen“, da sich die Person dadurch gut vom Hintergrund abhebt.

Hierfür wird deshalb oft eine offene Blende verwendet, beispielsweise Blende 2,8.

Portrait mit unscharfen Hintergrund

Eine offene Blende hilft den Hintergrund unscharf werden zu lassen. Dadurch werden die Personen gut vom Hintergrund freigestellt. Hier habe ich Blende 4,5 verwendet.


 

Schärfeverlust durch Offenblende und Beugungsunschärfe

Wenn ihr die maximale Schärfe eures Objektivs nutzen wollt, solltet ihr nicht die maximalen/minimalen Blendenwerte verwenden.

Beugungsunschärfe

Bei Blende 32 ist zwar die Schärfentiefe extrem hoch, allerdings ist die Abbildungsleistung vom Objektiv hier nicht mehr so gut. Das liegt an der Beugungsunschärfe. Die Schärfe dehnt sich zwar über das gesamte Motiv aus, aber insgesamt ist alles etwas unschärfer als bei Blende 11.

Beugungsunschärfe bei Blende 32

Bildausschnitte aus einem Blüten-Foto bei Blende 11 und 32. Bei f/32 ist die Beugungsunschärfe deutlich zu sehen. Aber keine Angst – hier ist die Unschärfe so stark, weil es ein Makro-Foto ist.

Wenn ihr die Tiefenschärfe trotzdem steigern wollt, habe ich in diesem Artikel noch ein paar Tricks für euch: Tricks für mehr Schärfentiefe

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Offenblende

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, haben Objektive einen Blendenwert bei dem ihre Blende maximal geöffnet ist, ihre so genannte Offenblende. Weiter geht die Blende nicht auf. Das bezeichnet man auch als Lichtstärke des Objektivs.

Verwendet ihr die Offenblende, ist die Schärfeleistung auch nicht perfekt. Dies liegt daran, dass die Randbereiche vom Objektiv schlechter sind als das Zentrum.

Verkleinert ihr die Blendenöffnung, werden die äußersten Randbereiche nicht mehr verwendet. Deshalb solltet ihr euer Objektiv für maximale Schärfe immer etwas abblenden – also mindestens eine Blende weiter zu machen als die Offenblende es zulässt. Wenn die Lichtstärke eures Objektivs f/1,4 ist, solltet ihr also Blende 2 nutzen um mehr Schärfe zu erreichen. Dabei meine ich nicht die Schärfentiefe, sondern die Schärfe des Objektes in der Schärfeebene.

Vergleich Schärfe zwischen Blende 2,5 und Offenblende

Das sind zwei 100% Ausschnitte vom gleichen Motiv. Die linke Aufnahme wurde mit f/2,5 gemacht, die rechte Aufnahme bei Offenblende f/1,8.
Das abgeblendete Foto ist sichtbar schärfer.

Offenblende trotzdem verwenden!
Ihr müsst natürlich nicht immer die maximale Abbildungsleistung eures Objektivs anstreben. Manchmal reicht auch ein bisschen weniger Schärfe. Auch wenn sie allgemein etwas unscharf ist, wird die Blende 1,4 trotzdem sehr oft verwendet, damit der Hintergrund schön unscharf wird.

Zu dem Thema, wie viel Schärfe ihr wirklich braucht, folgt demnächst auch noch ein extra Artikel.

 

Die Abblendtaste

Wenn ihr die Blende ändert, werdet ihr den Unterschied der Schärfentiefe nicht im Sucher erkennen können.
Wie schon im vorherigen Artikel erwähnt, haben die Objektive eine Springblende, die sich erst schließt, wenn ihr den Auslöser drückt.

Wenn ihr die Tiefeschärfe aber vor dem Auslösen checken wollt, könnt ihr die Abblendtaste eurer Kamera drücken. Wo diese liegt steht in eurem Handbuch. Dadurch schließt sich die Blende auf den eingestellten Wert, solange ihr die Taste gedrückt haltet.

Dadurch dass dabei aber auch das Sucherbild bei Spiegelreflexkameras dunkler wird, ist es schwer darauf genaueres zu erkennen.

Sucherbild bei Offenblende und abgeblendet

Beim rechten Bild wurde die Abblendtaste gedrückt. Dadurch seht ihr zwar die Tiefenschärfe beim eingestellten Blendenwert, aber das Sucherbild wird auch dunkler.

Wenn ihr aber etwas länger bewusst die Blende zur Steuerung der Tiefenschärfe eingesetzt habt, könnt ihr diese auch ohne Abblendtaste besser einschätzen.

 

Übung zur Steuerung der Tiefenschärfe mithilfe der Blende

Bei dieser Übung werden wir erstmalig nicht mehr den Programmautomatik-Modus verwenden.

  1. Wechselt in den Blendenvorwahl / Zeitautomatik / AV Modus. Das geht normalerweise an der gleichen Stelle wo auch die Programmautomatik eingestellt wird.
    Dadurch könnt ihr der Kamera selbst sagen, welche Blende sie verwenden soll. Auch die ISO könnt ihr selbst einstellen. Die Kamera regelt nun nur noch die Belichtungszeit automatisch um die Belichtung einzustellen.
  2. Sucht euch nun ein Motiv. Es sollte ein Hauptobjekt sein, das in einer Umgebung steht, also beispielsweise eine Sitzbank im Park. Achtet darauf, dass ihr genügend Licht für diese Übung habt – also am besten im Sonnenlicht fotografieren.
  3. Wählt eine etwas längere Brennweite, beispielsweise 80 mm.
  4. Nun stellt ihr als erstes die Offenblende des Objektivs ein und macht ein Foto von der Bank (oder was auch immer euer Motiv ist).
  5. Schaut euch das Foto an. Wahrscheinlich ist nur die Bank scharf, bzw. alles was mit der Bank zusammen in der Schärfeebene ist.
  6. Macht nun die Blende um einen ganzen Blendenwert weiter zu. Habt ihr als erstes Blende 4 verwendet, nehmt ihr also nun Blende 5,6. Macht ein neues Foto.
  7. Das macht ihr so oft, bis ihr Blende 22 erreicht habt. Wenn ihr ein Stativ habt, könnt ihr dieses für die Übung verwenden, damit die Fotos alle den gleichen Bildausschnitt haben.
  8. Betrachtet nun nacheinander die Fotos – am besten groß am PC-Monitor. Seht ihr wie die Tiefenschärfe von Foto zu Foto zunimmt?

Wiederholt die Übung noch ein paar mal bei anderen Motiven. Dabei solltet ihr auch mal andere Brennweiten verwenden, oder einmal kleinere Objekte mit kleinerem Motivabstand fotografieren.

Nach dieser Übung solltet ihr schon ein etwas besseres Gefühl dafür haben, wie groß die Tiefenschärfe bei den jeweiligen Blenden ist.

Die Schärfentiefe ist eines eurer wichtigsten Gestaltungsmittel. Deshalb solltet ihr in nächster Zeit so oft es geht bewusst eine Blende wählen, bevor ihr das Foto macht.

Vorsicht – nicht verwackeln!
Je mehr ihr die Blende schließt, um so höher ist oft die Gefahr das Foto zu verwackeln. Warum das so ist, erfahrt ihr im nächsten Artikel zur Belichtungszeit.
Deshalb ist es auch gut, diese Übung vom Stativ aus zu machen, oder bei sehr hellem Tageslicht.

 
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Fragen zur Schärfentiefe und Blende

Ihr habt Probleme bei der Übung gehabt?
Oder habt ihr sonst irgendwelche Anmerkungen zum Artikel?
Vielleicht habt ihr ja auch ein paar Tipps, wie ihr den Umgang mit der Tiefenschärfe gelernt habt.

Dann könnt ihr mir gerne wieder Kommentare hinterlassen :)

Liebe Grüße
Stefan

Nächster Einsteiger-Artikel: 9. Belichtungszeit


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