Blende im Objektiv


Wie die Blende die Belichtung regelt

Die Blende regelt wie viel Licht durchs Objektiv auf den Kamera-Sensor fällt.
Je mehr Licht dort ankommt, um so heller wird euer Foto.

Somit ist die Blende die nächste Möglichkeit zur Steuerung der Belichtung.

 

Kurzzusammenfassung / Inhalt

 

Belichtungssteuerung mit der Blende

Mithilfe der Blende könnt ihr bestimmen, welche Menge an Licht durchs Objektiv kommen soll.

  • Fotografiert ihr in einer hellen Umgebung, könnt ihr die Blende schließen, damit das Bild nicht überbelichtet wird.
  • In einer dunklen Umgebung macht ihr die Blende weiter auf, um möglichst viel des schwachen Umgebungslichtes nutzen zu können.

Die Blende regelt jedoch nicht nur die Belichtung des Fotos. Daher gibt es in der Praxis auch Anwendungsfälle wo ihr beispielsweise in dunklen Räumen nicht mit ganz geöffneter Blende fotografiert. Dazu jedoch mehr im nächsten Kapitel.

 

Aufbau der Blende

Die Blende befindet sich im Objektiv und sieht so aus:

Blende im Objektiv

Die Blende in diesem 50 mm Objektiv ist ziemlich weit geschlossen.

Wie ihr seht, besteht sie aus mehreren Lamellen, die sich ringförmig schließen können. Die Anzahl der Lamellen ist je nach Objektiv unterschiedlich und wird teilweise als Qualitätskriterium angesehen – je mehr davon vorhanden sind, um so schöner wird meistens die Abbildung unscharfer Objekte.

Blende von Rückseite aus betrachtet

Von der Rückseite aus betrachtet, sieht die Blende so aus.


In allen modernen Objektiven ist eine Springblende eingebaut. Diese schließt sich erst auf den eingestellten Wert, wenn ihr auslöst. Das hat den Vorteil, dass ihr durch den optischen Sucher der Spiegelreflexkameras immer ein möglichst helles Bild sehen könnt. Sonst wäre es teilweise unmöglich in dunklen Situationen etwas zu erkennen.

Sucherbild bei Offenblende und abgeblendet

Der Blick durch den Sucher: links mit geöffneter Blende, rechts mit halb geschlossener Blende. Damit euer Sucherbild immer so aussieht wie links, haben die Objektive eine Springblende.

 

Die Blendenreihe

Unterschiedliche Objektive sind unterschiedlich konstruiert. Manche haben zum Beispiel einen viel größeren Durchmesser als andere.

Wir wollen aber trotzdem immer genau wissen, wie viel Licht durchs Objektiv fällt – wäre ja blöd, wenn wir das Objektiv wechseln und das Bild plötzlich viel heller ist als mit dem anderen Objektiv.
Deshalb gibt es genormte Blendenzahlen.
Die ganzzahligen Blendenwerte, die für uns für Bedeutung sind, sehen so aus:

1 – 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Diese Abfolge wird auch Blendenreihe genannt.
Ihr könnt sicher gehen, dass – egal welches Objektiv ihr an der Kamera habt – immer die gleiche Lichtmenge am Sensor ankommt, wenn ihr den selben Blendenwert eingestellt habt.
Stellt ihr also die Blende auf 8 und macht ein Foto mit Objektiv A, ist es genau so hell wie mit Objektiv B bei Blende 8.
Sehr praktisch, oder?

Übliche Schreibweisen um die Blende anzugeben sind:
f/1,4
1:1,4
Am Ende des Artikels werdet ihr verstehen warum.

 
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Blendenstufen

  • Bei einer Blende von 1 ist die Blendenöffnung ganz weit auf, so dass viel Licht hindurch kommt.
  • Bei einer Blende von 32 ist die Blende sehr weit geschlossen und lässt nur noch wenig Licht hindurch.

Von einer Blende zur nächsten gilt: es kommt nur noch halb so viel Licht hindurch, wie bei der vorhergehenden Blendenstufe.

  • Blende 1,4 führt also zu einer halb so hellen Belichtung wie Blende 1
  • Durch Blende 2 kommt nur noch halb so viel Licht wie durch Blende 1,4
  • Und durch Blende 2,8 kommt nur noch halb so viel Licht wie durch Blende 2.
Aufnahmen mit Blende 4, 5,6 und 8

Die selbe Aufnahme, mit Blende 4, Blende 5,6 und Blende 8

Vorsicht – Denkfehler!
Das mit dem Halbieren klingt erst einmal einfach, jedoch werden hier oft Fehler gemacht.
Wenn ihr z.B. wissen wollt, wie viel dunkler das Bild mit Blende 2,8 statt Blende 1 wird, müsst ihr so rechnen:
(1/2) x (1/2) x (1/2) = 1/8
Blende 2,8 lässt das Bild also 8 mal dunkler werden als Blende 1. Bei Blende 4 wird es dann schon 16 mal dunkler als mit Blende 1.

 

Warum Blendenzahlen?

Warum gibt man die Blendenöffnung nicht einfach in Millimeter an, sondern in solchen abstrakten Zahlen?
Das liegt daran, dass durch ein Objektiv mit langer Brennweite weniger Licht durch kommt als bei einem Objektiv mit kurzer Brennweite.

Das ist auch ganz logisch:

  • bei einem Weitwinkel können wir das Licht der ganzen Umgebung vor uns nutzen
  • bei einer langen Brennweite nehmen wir nur einen kleinen Bildbereich auf und können daher nur das Licht dieses Bildbereiches nutzen
Schema zur Erklärung des Zusammenhanges von Brennweite und Lichtstärke

Der Zusammenhang zwischen Brennweite und Blendenwert: ein Weitwinkel lässt euch das Licht eines größeren Bereiches nutzen.


Rechenbeispiel

Stellt euch zwei Objektive vor:

  • Objektiv A) 50 mm Brennweite; Blendenöffnung auf 25 mm eingestellt
  • Objektiv B) 100 mm Brennweite; Blendenöffnung auf 25 mm eingestellt

Objektiv B lässt uns somit weniger Licht nutzen, da es eine längere Brennweite hat, obwohl die Öffnung gleich groß ist.

Um auf die genormten Blendenwerte zu kommen, müssen wir die Brennweite (f) durch den Durchmesser der Blendenöffnung teilen.

  • Objektiv A) 50 mm / 25 mm = 2

Das Objektiv liefert uns also gerade Blende 2

  • Objektiv B) 100 mm / 25 mm = 4

Mit diesem Objektiv fotografieren wir also gerade bei Blende 4, nutzen also vier mal weniger Licht als mit Objektiv A

Nun könnt ihr euch auch erklären, warum ein Objektiv mit kleinerer Blendenzahl mehr Licht durch lässt.
Verdoppeln wir bei Objektiv A den Durchmesser der Blendenöffnung auf 50 mm ergibt sich nämlich folgende Rechnung:

50 mm (Brennweite) / 50 mm (Blendenöffnung) = 1

Es kommt mehr Licht durchs Objektiv, denn die Blendenöffnung ist ja jetzt doppelt so groß. Die Blendenzahl hat sich aber von 2 auf 1 verringert.

Blendenöffnung und Eintrittspupille
Damit es nicht zu kompliziert wird, habe ich in der Rechnung vom Durchmesser der Blendenöffnung geredet. In Wirklichkeit muss man allerdings mit der Eintrittspupille rechnen. Das ist die Größe der Blende, wie sie euch erscheint, wenn ihr sie von vorn durchs Objektiv betrachtet. Durch die davor liegenden Linsen scheint sie eine andere Größe zu haben, als sie real hat.

 

Wie entstehen die krummen Blendenzahlen?

Wahrscheinlich stören euch die krummen Werte in dieser Blendenreihe. Warum macht man nicht einfach Blende 1 – 2 – 3 – 4 – 5?
Auch das ist mathematisch begründet. Das müsst ihr euch jetzt natürlich nicht merken – aber es ist vielleicht interressant zu wissen :)

Da die Blendenöffnung (nahezu) rund ist, wird die Kreisfläche – und dadurch die Menge des hindurchfallenden Lichtes – mit der Kreisformel berechnet.
Diese lautet A = Pi * (d² / 4)

Betrachten wir wieder ein 50 mm Objektiv. Für dieses stellen wir zuerst einen Blendendurchmesser von 25 mm ein. Unsere Blende beträgt also 50 mm / 25 mm = 2.
Mithilfe der Kreisformel können wir ausrechnen, dass der Kreisinhalt ca. 490 mm² groß ist.

Nun ändern wir den Blendendurchmesser auf 35 mm. Das ist das 1,4 fache von 25 mm, also genau der Faktor, den wir aus der Blendenreihe erhalten. Auch hier können wir die Blende ausrechnen: 50 mm / 35 mm = 1,4.
Die Kreisformel liefert uns einen Flächeninhalt von ca. 962 mm². Das ist in etwa das doppelte von 490 mm².

Wir haben also die Blende von 2 auf Blende 1,4 verändert, aber erhalten doppelt so viel Licht.
Wenn ihr euch die Blendenreihe gemerkt habt, könnt ihr also immer schnell mit den Verdopplungen / Halbierungen der Belichtung rechnen.

 

Begrifflichkeiten zur Blende

Dadurch dass der Blendendurchmesser bei kleinen Blendenzahlen größer wird, müsst ihr aufpassen, worüber genau gesprochen wird. Sagt man nur „kleine Blende“ kommt es oft zu Missverständnissen, da im ersten Moment nicht klar ist, ob eine kleine Blendenzahl oder eine kleine Blendenöffnung gemeint ist. Deswegen hier noch einmal die Begriffe, wie ich sie verwende:

  • Große Blendenzahl = weit geschlossen
  • Kleine Blendenzahl = weit offen
  • Große Blendenöffnung = weit offen
  • Kleine Blendenöffnung = weit geschlossen
  • Großer Blendendurchmesser = weit offen
  • Kleiner Blendendurchmesser = weit geschlossen
  • Offene Blende = weit offen
  • Geschlossene Blende = weit geschlossen

Manchmal wird mir wahrscheinlich doch nur „große Blende“ herausrutschen – damit meine ich dann aber eigentlich immer eine große Blendenöffnung.

 

Wie stellt man die Blende ein?

Die Blende verstellt ihr meistens mit einem Drehrad an der Kamera. Im Display ist dann die Änderung des Blendenwertes zu sehen.

Falls ihr es nicht findet, schaut am besten in euer Handbuch.

Achtung!
Wie schon im Kapitel zum ISO-Wert beschrieben, wird die Kamera im Automatik-Modus Blende oder ISO selbst nachregeln, sobald ihr die Blende ändert. Die Belichtung ändert sich für euch damit also erst einmal nicht.

Nachdem die Kapitel zu Blende und Belichtungszeit abgeschlossen sind, erkläre ich euch die manuelle Belichtung – da werdet ihr die Belichtungsänderungen der Blende direkt spüren :)

 
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Lichtstärke

Vielleicht habt ihr schon gemerkt, dass ihr mit eurem Objektiv nicht alle Blendenwerte einstellen könnt. Wahrscheinlich könnt ihr keine Blende 2 einstellen und schon gar nicht Blende 1.
Die größtmögliche Blende die ihr einstellen könnt, bezeichnet man auch als die Lichtstärke des Objektivs. Dazu verfasse ich demnächst noch einen extra Artikel.

Also wundert euch nicht, wenn ihr beispielsweise nur f/3,5 als offenste Blende einstellen könnt.

 

Fragen zur Blende

Ihr habt noch Fragen zur Belichtungssteuerung durch die Blende? Oder andere Anmerkungen zum Artikel?
Dann immer her damit – hinterlasst einfach einen Kommentar.

Ihr müsst euch natürlich nicht merken, wie die Blendenwerte berechnet werden. Die Blendenreihe solltet ihr euch aber einprägen.
So wisst ihr, was geschieht, wenn ihr die Blende von 11 auf 5,6 ändert.
Die Blende kann aber noch viel mehr als nur die Belichtung zu steuern.
Wie ihr sie zur Bildgestaltung einsetzen könnt, erfahrt ihr im nächsten Artikel.

Liebe Grüße
Stefan

Nächster Einsteiger-Artikel: 8. Blende und Tiefenschärfe / Schärfentiefe


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